Zwei Seiten einer (Regierungs-)Medaille

04.05.2010 um 15:47 Uhr | in Grünes Geld, Meldungen aus Wald und Welt, Märchenwald, Panama-Tagebuch, Waldwirtschaft

Es ist eine der schönsten Einrichtungen für einen gelungenen Tag, sich mit einer heißen Tasse Kaffee der Tageszeitung zu widmen oder eine Presseschau via Internet durchzuführen.

Heute morgen interessierte ich mich für die Ergebnisse des “Petersberger Klimadialogs”. So heißt die bereits in Kopenhagen angekündigte Veranstaltung der Bundeskanzlerin, die mit dem deutschen Umweltminister seit Sonntag Vertreter von 45 Staaten begrüßte…
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von Jan Fockele.


Der Krach im Walde

16.09.2008 um 13:02 Uhr | in Panama-Tagebuch

„Ein Baum der fällt, macht mehr Krach als ein Wald, der wächst“, hat mal jemand zu mir gesagt.

Aber ein Baum, der wächst, macht auch ganz schön Krach. Zumindest, soweit ich das beurteilen kann. Mittlerweile bin ich schon seit einigen Wochen hier in Panama, habe unsere Fincas kennen gelernt und dabei festgestellt, dass das sprichwörtliche „Schweigen im Walde“ wohl eine etwas vorschnelle Beurteilung eines ahnungslosen Spaziergängers gewesen sein muss.

Hier in Panama gibt es 32 verschiedene Fincas, die ForestFinance in den letzten 14 Jahren aufgeforstet und damit jede Menge Platz für verschiedene Schreihälse und stimmgewaltige Untermieter geschaffen hat. Sobald ich einen Fuß in diese riesige Wohngemeinschaft Wald setze, ist es vorbei mit der Ruhe. Unzählige Vögel rufen durcheinander, der Wind fährt durch die Blätter und Insekten surren mir um die Ohren. Auf manchen Pflanzungen höre ich sogar Affen brüllen.

baumkrone

Die Abholzung der Regenwälder hat dazu geführt, dass der Lebensraum der meisten Tierarten in Panama völlig zerstückelt ist. Deswegen ist es umso wichtiger, durch Aufforstung neue Lebensräume zu schaffen. Beispielsweise für das Ozelot. Die nachtaktive Kleinkatze, die durch den Pelzhandel und die systematische Zerstörung ihres Lebensraums beinahe ausgerottet war, wurde bereits mehrfach auf den älteren Fincas in Las Lajas und Umgebung gesichtet. Hier verbringt sie den Großteil des Tages in Baumhöhle, um sich nachts auf die Jagd nach Mäusen, Fröschen, Schildkröten, Schlangen und Vögeln zu machen.
Im Gegensatz zu diesem leisen Jäger sind die lautesten Bewohner der Forste wahrscheinlich die Mantelbrüllaffen, deren Balzrufe über Kilometer hinweg zu hören sind. Die Pflanzenfresser ernähren sich hauptsächlich von Früchten und Blättern und leben in Gruppen von bis zu 30 Tieren, die besonders morgens die restlichen Bewohner der Gegend mit viel Elan von ihrer Anwesenheit wissen lassen. Für den Namen „Los Monos“ hat man sich im ForestFinance Team nicht umsonst entschieden.

Sowohl das Ozelot als auch die Brüllaffen stehen auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Der ebenfalls in den ForestFinance Fincas vorkommende Schopfkarakara, der zu den Geierfalken zählt, ist nach dem Aussterben des Guadalupe Karakaras die letzte verbleibende Art der Gattung Polyborus. Seine charakteristischen Schreie vermischen sich mit den unzähligen anderen Lauten, die aus jedem Winkel des Waldes zu kommen scheinen. Setzt der Regen ein – und das ist hier recht häufig der Fall - kommt zu dem überraschend lauten Tropenkonzert das Prasseln der Tropfen auf die Blätter hinzu und nach einiger Zeit das Quaken der Frösche und Kröten in den schnell entstehenden Pfützen bzw. Miniaturseen.

Wie kommt man also auf die Idee, dass es in dem übervollen Lebensraum Wald still sein könnte? Vielleicht, weil uns diese Art von Lärm mittlerweile vorkommt wie eine himmlische Stille, weil wir die Geräusche der Natur so selten wahrnehmen. Bevor ich aus Deutschland herkam, um für ein halbes Jahr in den ForestFinance forsten zu arbeiten, hatte auch ich ein „Bild der Ruhe“ im Kopf, wenn ich an das kleine Land Panama und seine Wälder gedacht habe. Doch was ich in den Forsten tatsächlich gefunden habe, ist besser als jede tote Stille: lebendiges Rauschen, Surren, Brummen, Brüllen, Klappern und Plätschern.

affe_in_baum

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von Andreas Schnall.


Kennen Sie Panama?

08.07.2008 um 13:48 Uhr | in Panama-Tagebuch

Wer kennt schon mehr von Panama als den Panamakanal und die zwei Hauptfiguren eines Kinderbuchs, die, vom Bananengeruch geleitet, Panama suchen?

Der Bär, der Tiger und natürlich die Tigerente müssen auf ihrem Weg viele Abenteuer bestehen. Als sie endlich im Land ihrer Träume ankommen, sind sie überglücklich und wollen es nie wieder verlassen. Die Abenteurer kommen aber am gleichen Ort an, von dem aus sie losgelaufen sind. Hätten sie sich den Weg dann nicht auch sparen können?

Ich denke nicht. Mein Aufenthalt in Panama war eine Reise für sich. Jeden Tag lernte ich neue Orte, neue Geschichten, neue Menschen, Tiere und Pflanzen und Geheimnisse kennen. Natürlich werde ich in einigen Tagen wieder zurück nach Deutschland fliegen, aber mit vielen neuen Erfahrungen.

Auf meiner Reise ist der undefinierte Begriff „Panama“ zu einer Vielzahl von Begriffen angewachsen.

Drei Monate vor meinem Panama-Aufenthalt habe ich angefangen, Vokabeln zu lernen. Doch als ich nach Panama eingereist bin, habe ich nur „Spanisch“ verstanden, also so gut wie gar nichts. Ich hatte alle Vokabeln vergessen. Genau in dem Moment, in dem ich etwas Bestimmtes sagen wollte, ist mir die richtige Vokabel nicht mehr eingefallen. Was im interaktiven Sprachkurs spielend leicht von der Hand ging, erschien mir auf einmal unmöglich. Ich war noch nicht einmal im Stande, die einzelnen Worte in der gesprochenen Sprache auseinander zu halten.

Es blieb mir also nichts anderes übrig, als dem Wasserfall der Worte zu lauschen. Es dauerte einige Zeit, bis sich dem Wasserfall einzelne Worttropfen entlocken ließen. Zunächst blieb es bei den Tropfen, die jedoch allmählich zu kleinen Rinnsalen der Verständnis zusammenflossen. Mit zunehmendem Sprachverständnis konnte ich dem kleinen Land immer mehr Geheimnisse entlocken. Man sagte mir, dass sich mit der jetzt beginnenden Regenzeit die Bäche mit Wasser füllen. Das konnte ich mir schon denken, aber wie kommen die Fische in die Bäche? Die fallen vom Himmel, sagte man mir.

Noch Vieles könnte ich Ihnen erzählen; besser aber ist, sie fahren selbst nach Panama und entdecken eine geheimnisvolle Welt zwischen Palmen, Zauber, Sonne, Bergen, Meeren und Musik.

Hiermit verabschiede ich mich von meinen lieben Lesern und hoffe auf ein baldiges Wiedersehen im Land der Träume!

dackelfoto

PS.: Hatte versprochen, mich vorzustellen. Hier nun ein (fast) echtes Dackelbild von mir! Das nächste Foto wird eine andere Person zeigen. In einer Woche reise ich zurück nach Deutschland und bin gerade dabei, meine Arbeit an meinen Kollegen, einen waschechten bayerischen Förster, zu übergeben. Wir können unsere Bäume unmöglich alleine in Panama stehen lassen. Es wird also weiter, in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen, Vor-Ort-Berichte aus Panama geben.

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von Alexander Watson.


Endlich richtig angekommen

30.04.2008 um 13:52 Uhr | in Panama-Tagebuch

Es dauert ein paar Tage, bis ich mich an die Zeitverschiebung gewöhnt habe. Noch ungewohnter aber sind die hohen Außentemperaturen. Wer im Sommer einen deutschen Wald betritt, spürt sofort eine angenehme Kühle. Nicht so in Panama. Die ohnehin hohe Luftfeuchtigkeit steigert sich noch in den Wäldern. Hier steht die Luft. Nur der Schweiß läuft von der Stirn.

Aber halt - ich hatte in meinem letzten Tagebucheintrag ein Bild von mir versprochen.
Hier ist es:

flipflop
…ein Teil von mir. Da ich nicht lebensmüde bin, trage ich diese Latschen nicht im Wald. Es gibt hier Schlangen, von denen ich mich besser nicht beißen lassen sollte.

Der Arbeitstag für einen Förster in Panama beginnt sehr früh und immer auf der Panamericana. Die Panamericana ist die Hauptverkehrsachse von Panama und durchzieht das Land vom Westen nach Osten. Sie beginnt in Alaska und endet in Feuerland. Mit etwa 25.750 Kilometern ist sie eine der längsten Nord-Süd-Verbindungen der Welt. Haben Sie jetzt eine gut ausgebaute Straße, einen Highway vor Augen? Da liegen Sie falsch. Der Weg zu unseren Fincas ist steinig und holprig. Noch ist es dunkel - die tiefen Schlaglöcher wecken mich sanft aus dem Halbschlaf. Als die ersten Sonnenstrahlen den dunklen Wald verzaubern, bin ich hellwach.

Endlich auf der Finca angekommen kann die Arbeit beginnen. Flächen, die aufgeforstet werden sollen, müssen mit dem GPS-Gerät (Global  Positioning System) vermessen werden.

gps

Wir klammern Naturschutzflächen aus, bemessen Wege und legen Feuerschutzschneisen an. Überall auf der Finca nehmen wir Bodenproben, um die besten Wuchsbedingungen für die unterschiedlichen Baumarten zu finden. Jetzt beginnt die Hauptarbeit. Tausende mühevoll herangezogene Bäumchen werden in die Erde gepflanzt - aber davon ein anderes Mal mehr.

Nach Stunden in der Hitze und einigen Kilometern in den Beinen entsteht in mir ein dringender Wunsch: Abkühlung! Zum Glück ist das Meer in Panama nie weit. Ich muss mich nur entscheiden, ob ich lieber in den Pazifik oder in die Karibik abtauchen will.

sonnenuntergang

So ein Tag lechzt nach einem Happy End. Das habe ich gefunden.

sonnenuntergang2

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von Alexander Watson.


Ankunft in Panama

18.04.2008 um 14:01 Uhr | in Panama-Tagebuch

Deutschland liegt hinter mir, der Regen auch. Das Flugzeug befindet sich endlich über der Hudson Bay und die ersten Sonnenstrahlen lugen durch das Fenster. Eine Stunde später sehe ich unter mir dunkle Nadelwälder. An vielen Stellen sind die Wälder von braunen Rechtecken unterbrochen. Je weiter wir Richtung Süden fliegen, umso größer werden die braunen Flächen. Es sind Kahlschläge.

In New York muss ich das Flugzeug wechseln. Nach akribischen Kontrollen durch die amerikanischen Sicherheitskräfte besteige ich das Flugzeug nach Panama City.

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Oh, ich habe vergessen, mich vorzustellen. Mein Name ist Alexander Watson, ich bin Förster und möchte die tropischen Regenwälder retten. Nächste Woche werde ich mich mit einem Bild vorstellen. Damit ihr euch schon mal ein Bild von mir machen könnt: Grüne Mütze mit Gamsbart, Lodenjacke, Knickerbocker, Kniestrümpfe und blaue Augen. Die Schrotflinte musste ich leider am amerikanischen Zoll abgeben. Noch jemanden muss ich euch vorstellen, der leider nicht mitreisen konnte: meinen Dackel Waldi. Er war stets ein treuer Begleiter an meiner Seite und seinen treuen dunklen Augen entging nie ein Leckerbissen.

Die Sonne geht unter und der Himmel ist wolkenfrei, so dass ich die karibische See und ihre beleuchteten Inselstaaten erkennen kann. Nach einiger Zeit beginnt das Flugzeug zu sinken und die Lichter am Boden werden immer heller. Bei einer Temperatur von 18 °C im Flugzeug kann ich mir die auf mich zukommende Hitze kaum vorstellen. Ich bin schon sehr gespannt darauf, was mich erwartet.

Ich verlasse den Flughafen und bin in einer anderen Welt. Die Luft ist feucht und riecht stark nach Erde. Obwohl es mitten in der Nacht ist, zeigt das Thermometer um die 27 °C an. Auf jedem nicht bebauten Zentimeter wuchert die Natur mit scheinbar unendlicher Kraft.

Auf der Fahrt vom Flughafen nach Panama City kommen mir leuchtend bunte und Ruß schnaubende Drachen entgegen.

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Nach ein paar Minuten erreiche ich unsere Wohnung im Herzen der Stadt. Auf dem Meer, das man von unserer Wohnung aus sehen kann, schwimmen Lichter. Es sind die Hochseeschiffe, die Schlange stehen und den Panamakanal passieren möchten. Über mir summt der Ventilator. Meine Augen fallen zu. Es war ein langer Tag. Die sechs Stunden, die mir aufgrund der Zeitverschiebung fehlen, liegen schwer auf meinen Lidern.

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von Alexander Watson.


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