Endlich richtig angekommen

30.04.2008 um 13:52 Uhr | in Panama-Tagebuch

Es dauert ein paar Tage, bis ich mich an die Zeitverschiebung gewöhnt habe. Noch ungewohnter aber sind die hohen Außentemperaturen. Wer im Sommer einen deutschen Wald betritt, spürt sofort eine angenehme Kühle. Nicht so in Panama. Die ohnehin hohe Luftfeuchtigkeit steigert sich noch in den Wäldern. Hier steht die Luft. Nur der Schweiß läuft von der Stirn.

Aber halt - ich hatte in meinem letzten Tagebucheintrag ein Bild von mir versprochen.
Hier ist es:

flipflop
…ein Teil von mir. Da ich nicht lebensmüde bin, trage ich diese Latschen nicht im Wald. Es gibt hier Schlangen, von denen ich mich besser nicht beißen lassen sollte.

Der Arbeitstag für einen Förster in Panama beginnt sehr früh und immer auf der Panamericana. Die Panamericana ist die Hauptverkehrsachse von Panama und durchzieht das Land vom Westen nach Osten. Sie beginnt in Alaska und endet in Feuerland. Mit etwa 25.750 Kilometern ist sie eine der längsten Nord-Süd-Verbindungen der Welt. Haben Sie jetzt eine gut ausgebaute Straße, einen Highway vor Augen? Da liegen Sie falsch. Der Weg zu unseren Fincas ist steinig und holprig. Noch ist es dunkel - die tiefen Schlaglöcher wecken mich sanft aus dem Halbschlaf. Als die ersten Sonnenstrahlen den dunklen Wald verzaubern, bin ich hellwach.

Endlich auf der Finca angekommen kann die Arbeit beginnen. Flächen, die aufgeforstet werden sollen, müssen mit dem GPS-Gerät (Global  Positioning System) vermessen werden.

gps

Wir klammern Naturschutzflächen aus, bemessen Wege und legen Feuerschutzschneisen an. Überall auf der Finca nehmen wir Bodenproben, um die besten Wuchsbedingungen für die unterschiedlichen Baumarten zu finden. Jetzt beginnt die Hauptarbeit. Tausende mühevoll herangezogene Bäumchen werden in die Erde gepflanzt - aber davon ein anderes Mal mehr.

Nach Stunden in der Hitze und einigen Kilometern in den Beinen entsteht in mir ein dringender Wunsch: Abkühlung! Zum Glück ist das Meer in Panama nie weit. Ich muss mich nur entscheiden, ob ich lieber in den Pazifik oder in die Karibik abtauchen will.

sonnenuntergang

So ein Tag lechzt nach einem Happy End. Das habe ich gefunden.

sonnenuntergang2

www.forestfinance.de

von Alexander Watson.


Ankunft in Panama

18.04.2008 um 14:01 Uhr | in Panama-Tagebuch

Deutschland liegt hinter mir, der Regen auch. Das Flugzeug befindet sich endlich über der Hudson Bay und die ersten Sonnenstrahlen lugen durch das Fenster. Eine Stunde später sehe ich unter mir dunkle Nadelwälder. An vielen Stellen sind die Wälder von braunen Rechtecken unterbrochen. Je weiter wir Richtung Süden fliegen, umso größer werden die braunen Flächen. Es sind Kahlschläge.

In New York muss ich das Flugzeug wechseln. Nach akribischen Kontrollen durch die amerikanischen Sicherheitskräfte besteige ich das Flugzeug nach Panama City.

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Oh, ich habe vergessen, mich vorzustellen. Mein Name ist Alexander Watson, ich bin Förster und möchte die tropischen Regenwälder retten. Nächste Woche werde ich mich mit einem Bild vorstellen. Damit ihr euch schon mal ein Bild von mir machen könnt: Grüne Mütze mit Gamsbart, Lodenjacke, Knickerbocker, Kniestrümpfe und blaue Augen. Die Schrotflinte musste ich leider am amerikanischen Zoll abgeben. Noch jemanden muss ich euch vorstellen, der leider nicht mitreisen konnte: meinen Dackel Waldi. Er war stets ein treuer Begleiter an meiner Seite und seinen treuen dunklen Augen entging nie ein Leckerbissen.

Die Sonne geht unter und der Himmel ist wolkenfrei, so dass ich die karibische See und ihre beleuchteten Inselstaaten erkennen kann. Nach einiger Zeit beginnt das Flugzeug zu sinken und die Lichter am Boden werden immer heller. Bei einer Temperatur von 18 °C im Flugzeug kann ich mir die auf mich zukommende Hitze kaum vorstellen. Ich bin schon sehr gespannt darauf, was mich erwartet.

Ich verlasse den Flughafen und bin in einer anderen Welt. Die Luft ist feucht und riecht stark nach Erde. Obwohl es mitten in der Nacht ist, zeigt das Thermometer um die 27 °C an. Auf jedem nicht bebauten Zentimeter wuchert die Natur mit scheinbar unendlicher Kraft.

Auf der Fahrt vom Flughafen nach Panama City kommen mir leuchtend bunte und Ruß schnaubende Drachen entgegen.

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Nach ein paar Minuten erreiche ich unsere Wohnung im Herzen der Stadt. Auf dem Meer, das man von unserer Wohnung aus sehen kann, schwimmen Lichter. Es sind die Hochseeschiffe, die Schlange stehen und den Panamakanal passieren möchten. Über mir summt der Ventilator. Meine Augen fallen zu. Es war ein langer Tag. Die sechs Stunden, die mir aufgrund der Zeitverschiebung fehlen, liegen schwer auf meinen Lidern.

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von Alexander Watson.


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