Auch Wälder brauchen Pflege

02.02.2008 um 11:59 Uhr | in Panama-Tagebuch

Von Sebastian Gräfe

sebastian

Liebe Leser des Panamatagebuchs, es ist wieder einmal an der Zeit für einen neuen Bericht aus dem Land zwischen den Kontinenten und den Ozeanen. Bevor es losgeht, möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Sebastian Gräfe und ich bin, genauso wie meine Vorredner, Förster.

Nach einer 20-stündigen Reise endlich am Flughafen in Panama City angekommen hatte ich noch gar nicht richtig begriffen, wo ich war. Erst als ich das klimatisierte Flughafengebäude verlassen hatte und das schwülwarme Klima der Tropen spürte, wurde mir klar, ich bin weit, weit weg von daheim. In Dresden bei -20 Grad gestartet, in Panama bei 30 Grad gelandet − das sind 50 Grad Temperaturunterschied! Noch die schneeverwehten deutschen Straßen im Kopf wurde ich überwältigt von verschwenderischem Grün.

Obwohl ich erst seit knapp zwei Wochen das Land erkunde, habe ich mich sofort in die lateinamerikanische Lebensfreude verliebt. Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Nur wer andere glücklich macht, wird selbst glücklich werden. Die meisten Menschen hier müssen mit weit weniger auskommen als wir im fernen Deutschland zum Leben brauchen. Dennoch erscheinen sie aufgrund ihres liebevollen Miteinanders und ihrer Selbstlosigkeit sehr viel zufriedener.
Und auch die Natur hat hier einiges zu bieten. Beim Blick aus dem Bürofenster neigen sich Kokospalmen elegant im Wind. Ein in allen Farben schillernder Kolibri schwirrt wild auf und ab, um sich an dem Nektar der tropischen Blütenpracht zu laben. Tiefblaue Schmetterlinge versuchen, ihm dieses Vergnügen streitig zu machen.

Anolis-Echse in den ForestFinance-Forsten

Anolis-Echse in den ForestFinance-Forsten

Aber auch inmitten dieses vermeintlichen Paradies gibt es viel für mich zu tun.

Vor beinahe 15 Jahren wurde in Las Lajas die erste Finca „Madera Fina“ eröffnet. So wurde aus kargem Ackerland ein tropischer Mischwald, der vielen einheimischen und gefährdeten Tierarten als Lebensraum dient. Mittlerweile haben die einst knapp 50 Zentimeter großen Bäumchen eine stattliche Höhe von über 30 Meter erreicht. Obwohl der Wald ja eigentlich fast von alleine wächst, hat er das nicht ganz ohne die Hilfe der Förster von ForestFinance geschafft. Auch Wälder brauchen Pflege. So ist es notwendig, den anfangs dicht an dicht gepflanzten Bäumen genügend Platz zum Wachsen zu schaffen. Darum werden etwa alle fünf Jahre Förster auf die Fincas entsandt, um zum Beispiel einem gut gewachsenen Baum Licht zu schenken, indem ein schlecht gewachsener Nachbarbaum gefällt wird.

Farbenprächigtig: Spinne inmitten der angepflanzten Bäume

Farbenprächigtig: Spinne inmitten der angepflanzten Bäume

Ich werde in den nächsten Monaten die Wälder um Las Lajas vermessen, um genau zu ermitteln, wie viel Holzvorrat sie bergen. Mithilfe jeder Menge komplizierter Formeln, Tabellen und Diagramme versuche ich zu errechnen, wie viele Bäume entnommen werden müssen, um dem Wald optimal beim Wachsen zu helfen. Aber Zahlen sind im Wald immer relativ zu sehen und deshalb mit größter Vorsicht zu genießen. Das wichtigste Instrument, das ich als Förster mitbringe, um diese Zahlen richtig zu bewerten, ist der sogenannte „Götterblick“. Wenn ein Förster seinen Blick in die Baumkronen richtet, dann läuft ein Film vor seinem geistigen Auge ab, der ihm zeigt, wie sich der Wald in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird. Mithilfe dieses „göttlichen Auges“, diesem Blick in die Zukunft, weiß ich genau, wie viele Bäume ich für die Durchforstung markieren muss.

Langsam wird es nun Zeit mich zu verabschieden, denn wie sie ja nun wissen, brauchen mich die Wälder. Vielleicht lesen wir uns ja an dieser Stelle wieder oder Sie kommen mich mal in Panama bei der Arbeit besuchen.

www.forestfinance.de

von Sebastian Gräfe.


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